Gorka, Gorka! Melonenschnaps und Wodka zum Kuss

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Russischer Hochzeitsbrauch versüßt die Ehe

Gorka, gorka!-Sprechchor zum Kuss
Foto: Susanne Lencinas

Olga und Lukas küssten sich im Stephan’s Restaurant unter Jubel und „Gorka-Rufen“. Anschließend tauschten sie die Ringe und Olga resümierte: „Es lag Liebe in der Luft, jeder hat das gespürt.“

Endlich Hochzeit in Heidelberg

Zwei Jahre lang war ich mit den beiden verbunden und endlich durften sie das Fest feiern, was sie schon so lange erwartet hatten. Es war nicht einfach gewesen, den Bräutigam für mich als Traurednerin zu gewinnen. Während Olga rasch für mich votierte, musste ich das Herz von Lukas noch erobern. Es gilt ja immer zwei Menschen zu begeistern. Da mein Honorar nicht günstig ist, muss ich mich schon ins Zeug legen. Lukas beäugte mich in dem Erstgespräch sehr kritisch, aber irgendwann habe ich gespürt und gemerkt, dass ich ihn überzeugt hatte. Eine Hochzeitszeremonie ist nämlich kein Schauspiel oder Theaterstück, es ist das echte und wirkliche Wort „Ja“, was sich Braut und Bräutigam in der Trauung geben. Ich rede nicht um den heißen Brei oder zitiere lange Textpassagen von Goethe: bei mir geht’s um das echte Leben des Paares, um ihre Werte und um ihre Persönlichkeit.

Ich habe die humorvollen und wichtigen Momente sehr gerne erzählt und hatte einen riesen Spaß. Die Gesellschaft war locker (ich hatte den Gorka-Brauch zunächst an einem frisch verheirateten Paar demonstriert, damit alle Gäste mitrufen konnten), die Gäste freuten sich auf die Zeremonie und hingen an meinen Lippen. Toll! Ich könnte das das ganze Jahr über machen!

Russlanddeutscher und russischer Hochzeitsbrauch

Ob ihr euch auf einer Feier befindet, deren Gäste einen russischen Migrationshintergrund haben, wisst ihr spätestens, wenn plötzlich ein gigantischer Sprechchor „Gorka, Gorka!“ ruft. Anschließend wird sich ein Paar erheben und lange und intensiv vor den Augen der Gäste küssen.

Dem einen mag das die Schamesröte über den Hemdkragen treiben: Ich erkläre euch, was es bedeutet. Ich selbst kenne diesen Brauch seit meiner Kindheit und ich liebe ihn. Daher habe ich mich sehr gefreut, dass ich für Olga und Lukas dieses Ritual in ihre freie Trauung einbauen durfte. Als ich sagte: „Ihr dürft euch jetzt küssen!“ riefen auf mein Kommando die Gäste „Gorka!“ und zwar solange wie der Kuss dauerte.

Tränen in der freien Trauung
Foto: Susanne Lencinas

Auf deutsch heißt gorka nämlich bitter. Gorka wird solange gerufen, bis sich das Brautpaar küsst. Streng genommen muss es ein langer Kuss sein, da die Gäste mitzählen („Eins, zwei, drei,..“ oder „Ras, dwa, tri,..“). Je länger der Kuss dauert, desto besser. Die Legende sagt, dass das Paar durch seine Küsse bittere Jahre vom Leben abziehen kann. Eine Minute küssen sind 60 weniger bittere Jahre – easy, oder?

In der Zeremonie von Olga und Lukas haben wir auf das Zählen verzichtet. Wer denkt schon an bittere Jahre? Zum Kuss gabs aber Melonenschnaps (typisch für Heidelberg) und Wodka (der ein oder anderes kennt das Getränk).

Versiegelung des Eheversprechens

Hochzeitspaare die sich Ihre Worte und Gedanken für die Zukunft privat aufheben möchte, empfehle ich die Versiegelung des Eheversprechens. Das bedeutet, dass sich Braut und Bräutigam vorab im stillen Kämmerchen Gedanken machen und diese zu Papier bringen. In der Zeremonie werden mir die Papiere übermittelt und das Paar darf dieses wertvolle Gut mit Siegelwachs in einem Briefumschlag versiegeln. So auch Olga und Lukas, die sich mit dem Anzünden des Wachses etwas schwer taten, da es windete wie an der Nordsee!

Feedback der Braut und der Mutter des Bräutigams

Olga berichtet von ihrem Gefühl, wie sie ihre eigene freie Trauung empfand. Nach der Trauung kamen auch ein paar liebe Gäste zu mir und sagten, wie schön sie es fanden. Sie sagten es mir sogar nochmal in die Kamera😊 Danke an euch alle. Danke, dass ihr ausgedrückt habt, was ihr in den 45 Minuten Gefühls-Eintopf gespürt habt!

Die Reaktion des Bräutigams war auch wunderschön: er sagte, dass nicht nur die Zeremonie besonders ist, sondern auch die gesamte Vorbereitung.

„Durch deine Fragen und die Gespräche mit dir habe ich mir nochmal intensiv Gedanken über die vergangene gemeinsame Zeit und unsere Erlebnisse gemacht. Die schönen Erinnerungen und Gedanken während der Vorbereitung haben mir viel bedeutet. Vielen Dank auch dafür.“

Tiefgründige Worte des Bräutigams

Aber bitte, gern geschehen!

Hochzeitspaar nach der freien Trauung
Foto: Susanne Lencinas

Hochzeitslocation Stephan’s Restaurant

Das Stephan’s in Eppelheim ist eine beliebte Hochzeitslocation, da sie einen grünen Außenbereich mit einem kleinen Minibach pflegt in dem kleine Kinder spielen können. Das Restaurant liegt inmitten von Feldern, was eine ungestörte Partynacht verspricht. Für die freie Trauung steht ein weißer Holzpavillon zur Verfügung, der mir als Rednerin sowie dem Brautpaar exzellenten Schatten bot. Besonders gut ist die Lage im Feld: ein kühler Luftzug spendete uns allen, auch den Herren im Frack, Erfrischung. An dem Tag wirkte es zum Teil wie an der Nordsee, aber alles ist besser als bei 40°C zu brüten! Meine Empfehlung für Paar, die eine Hochzeitslocation in der Nähe von Heidelberg suchen.

Hochzeitsfotografin Susanne Lencinas

Susanne Lencinas ist Hochzeitsprofi und sprüht vor Witz. Ich empfehle sie den Paaren, die gerne etwas eigenes, fernab vom Instagram-Feed bevorzugen. Für meine eigenen Business-Fotos habe ich Susanne beauftragt. Meine Herzensempfehlung!

Jetzt müssen wir nur noch beide herausfinden, wo der Eingang der Kameralinse ist!

Liebe Olga, lieber Lukas: Ich wünsche euch das Glück der Erde und dass noch viele Momente auf den Azoren auf euch warten!

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Rednerin Ingrid Rupp
Foto: Dana Rösiger

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