Das letzte Wort hat die Braut

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Hochzeit in der Aumühle

Hochzeitsritual Handfasting:
Foto: Jan Hillnhütter

Die Vorbereitungen für die Hochzeit von Jenny und Jens liefen nach Plan bis der Tag der Trauung kam. Das Wetter war unstet: es sah gleichzeitig nach Regen und Sonne aus. Jenny hatte akribisch geplant: für die Sonnenvariante stand auf einer ehemaligen Pferdekoppel ein naturbelassener Traubogen unter einer Weide bereit. Für die Regenvariante wartete eine liebevoll dekorierte Scheune in der Gaststätte zur Aumühle mit Teelichter-Beleuchtung, ebenfalls mit einem Traubogen. Die Atmosphäre berührte mich: still, mit leise flackernden Lichtern an den Wänden.

Ich sprach mit der Location, mit dem Sänger, mit dem Bräutigam. Keine wollte die Entscheidung treffen, wo wir hingehen. Ich hatte mich in die Scheune verliebt und plädierte für reingehen. Zwanzig Minuten vor der freien Trauung sprach ich in das Handy des Bräutigams, und umringt von Jens mit Kindern, dem Trauzeugen mit Ehefrau, Servicekräften, Gästen und dem Sänger Julian Fiege. Ratlos blickten wir auf das Telefon, aus dem die Stimme von Jenny scholl: „Ich bin überzeugt, dass es keinen Regen geben wird, wir machen es auf der Wiese!“ Die Anwesenden blickten in den dunklen, wolkenverhangenen Himmel. Wir waren uns einig: Das letzte Wort hat die Braut. Wir stoben auseinander, um Lautsprecher, Kabel, Sektempfang-Tische und Dekoration umzuziehen.

Die Gäste nahmen Platz und drehten ihre Köpfe, um die Ankunft der Braut nicht zu verpassen. Und dann kam sie, am Arm des Papas, mit spitzenbesetzten Hochzeitskleid und voller Erwartung. Jenny und Jens hatten so lange gewartet, gebangt und gehofft. Ihre Kinder standen auf, die Trauzeugen, Gäste und wir alle schluckten schwer an unserem Kloß im Hals.

Ich liebe alles an dir: first look

Wir hörten „All of me” während Jens seine Jenny zum ersten Mal als Braut vor sich sah und in Empfang nahm. Ich habe nur seinen Rücken gesehen aber in den Augen der Gäste in der ersten Reihe sah ich seinen Blick gespiegelt: Jens hatte Tränen in den Augen.


Das Lied erzählt davon, dass wir mit dem richtigen Partner und der richtigen Partnerin so geliebt werden wie wir sind. Niemand muss sich verstellen. Wir alle wünschen uns das.

Alles an mir liebt alles an dir
Ich liebe deine Kurven und deine Ecken
All deine perfekten Unvollkommenheiten
Gib mir alles was du hast und ich gebe dir alles was ich habe

John Legend

Was lange währt, wird endlich gut

Was lange währt, wird endlich wahr. Dieser Spruch stand auf der Hochzeitseinladungskarte. Jenny und Jens kannten sich schon seit dem Kindergartenalter. Gefunkt hat es viele Jahre und Erfahrungen später zum ersten Date in Ludwigshafen. Sie erkannten, wie viel sie sich zu sagen hatten und wollten den ersten Abend nicht enden lassen. Damit sie die ganze Nacht weitersprechen konnten, suchten sie den Musikpark auf.

Apropos Musikpark: wie oft erzählen mir Paare, dass sie sich im Musikpark getroffen oder kennengelernt haben! Meistens schämen sie sich ein bisschen für das Geständnis. Warum? frage ich mich. Tinder, Musikpark, Reizdarm-Syndrom zur Hochzeit: ich finde, alles gehört zum Leben dazu.

Was Frauen wollen

Jenny verstand früher als Jens im Eiscafé, dass er ihr Mann fürs Leben ist. Jens war schüchtern. Über einem Spaghettieis reflektierte Jenny, dass Jens ein Mann ist, der Sicherheit ausstrahlt und weiter denkt: er besaß ein Haus und einen Passat Kombi. Beides beeindruckte sie. „Hier kann man sein Ei ablegen“, würde ich es ausdrücken.

Männer: hört nicht auf Ratgeber, die Frauen künstlich umgarnen. Schafft euch einen Kombi an und klebt einen „Hier fährt Liebe mit“-Aufkleber auf die Heckscheibe. So klappts mit der Traumfrau.

An einem 5. August wurden sie ein Paar und ließen sich nicht mehr los. Jens hörte auf sein Bauchgefühl, schaffte Tatsachen und gab Jenny direkt einen Haustürschlüssel. Jenny erinnerte sich in unserem Gespräch, dass es im Haus sehr ordentlich war. Heute sei das anders. Der Gegner Keller erstarkte über die Jahre. Hier stapeln sich Kisten, Möbel, Kleinkram. „Wie konnte das geschehen?“ habe ich gefragt. Ihre Antwort lautete: „Es fing mit dem ersten Kind an.“

Der erweiterte Familienkreis: der Zoo im Haus

Das eigene Nest war von Beginn an wichtig: Jenny zog rasch mit all ihren Kleidern ein. Eine Familie wurde erschaffen: an einem Wochenende fuhren Jens und Jenny los, um einen Mops „anzuschauen“ und kehrten mit ihm nach Hause zurück. Der Mops wurde Jamiro getauft und war nur der Anfang. Im Laufe der Zeit schafften Jens und Jenny ebenfalls Platz für Finken, Katzen, Landschildkröten und Fische.

Der Höhepunkt war die Nachricht, dass Jens und Jennys ein Baby erwarteten. Damit wurde das Ankleidezimmer zum Kinderzimmer und Jens baute den 6,5m langen Pax im Dachboden auf. Wenige Jahre später folgte auf Lian Schwester Leni: der zweite Höhepunkt in der Geschichte des Paares. Familie spielt eine große Rolle bei Jens und Jenny: Rückhalt, Liebe, Geborgenheit: all das sind Werte, die sie ihren Kindern vorleben, damit aus ihnen starke und liebevolle Personen werden.

Kreuzknoten und Handfasting-Ritual


Als Ritual zur freien Trauung wählten Jens und Jenny das Handfasting-Ritual und wollten ihre Kinder mit einbeziehen. Um die Verbindung von Jens und Jenny zu symbolisieren, die miteinander, aber auch mit ihren zwei Kindern verflochten sind, bereitete Jenny zwei Seile und zwei Bänder vor. Ich legte zuerst die Seile und anschließend mit Hilfe von Lian und Leni die Bänder um die Hände des Hochzeitspaares. Der Kreuzknoten verband Seile und Bänder miteinander. Er steht dafür, dass eine Beziehung und eine Familie unter Belastung noch fester wird. Der Knoten wurde gebunden und Sänger Julian Fiege sang „Wenn du lachst“ von Kult.


Wenn einer unpünktlich ist muss man das entweder akzeptieren oder lieben lernen

Jens kam zum ersten Date zu spät und ließ Jenny warten. Das war die Strafe für alle Folgejahre: Jenny ist eine notorische zu-spät-Kommerin. Das ist einer dieser typischen Gegensätze, die man im Laufe einer Beziehung entweder lieben lernen oder einfach akzeptieren muss. Jens sagte in unserem Gespräch: „Ich bewundere Jennys Fähigkeit jedes Mal aufs Neue, eine völlig neue Erklärung aus dem Hut zu zaubern!“

Im Alltag finden beide immer auf einen Nenner. Jens und Jenny haben denselben Spruch auf dem Arm tätowiert:
„Wir erzwingen nicht das Glück, wir haben zugelassen, dass es uns findet. Denn aus unserer Liebe entstand ein Leben, welches einen Namen trägt.“

Die Corona-Zeit zeigte der Familie, dass Selbstverständlichkeiten eben doch nicht selbstverständlich sind. Sie genossen wieder Kleinigkeiten, z.B. mit der Familie eine Fahrradtour zu machen oder mit Familie und Freunden zusammen zu sein.

Das sagen Braut und Bräutigam über ihre eigene freie Trauung

Das wichtigste und ehrlichste Feedback, wie es dem Hochzeitspaar gefallen hat, kommt von dem Paar selbst. Sie haben solange auf ihren wichtigen Tag gewartet und sehr viel Zeit und Geld investiert, um ihn perfekt vorzubereiten. Bei der freien Trauung kauft jedes Paar die Katze im Sack. Mein Anliegen ist, ein ehrliches Feedback vom Tag einzufangen, um anderen Paaren zu sagen: traut euch, es wird schöööön.

Ich fragte Jenny und Jens, wie ihnen ihre eigene freie Trauung gefallen hat. Hört hin! Jenny ist noch etwas überwältig und spricht leise (genau hinhören), Jens sagt klar und deutlich seine Meinung. Freu mich sehr! Danke euch beiden!

Feedback der Trauzeugen: Wie hat es euch gefallen?

Die Trauzeugin und der Trauzeuge waren sichtlich berührt. Sie kümmerten sich liebevoll um Liam und Leni und gaben mir hinterher sogar ein Feedback per Video. Ich fragte: „Wie hat es euch gefallen?“

Zukunft

Liebe Jenny, lieber Jens, die Schulunterlagen, Werkzeuge und alte Weihnachtsdeko räumt ihr in meiner Vorstellung immer noch in den Keller. Von ganzem Herzen wünsche ich euch, dass ihr weiterhin so glücklich seid und zusammenhaltet, wie ich euch kennengelernt habe. In eurer Vorstellung kommt Jenny immer noch zu spät, aber ihr seid glücklich wie am ersten Tag. Irgendwann leert ihr einen ganzen Liter Rotwein auf den Kapverden gemeinsam. Ich umarme euch!

Hochzeitsfotograf Jan Hillnhütter

Ich wusste, wie viele Tränen der Freude vergossen wurden und wieviel Liebe bei der freien Trauung von Jenny und Jens versprüht wurde. Dennoch war ich überrascht, als ich Jans Fotos gesehen habe: noch deutlicher fiel mir auf, wie berührt die beiden und ihre Gäste waren. Die Liebe ist auf den Fotos zu greifen. Jan Hilllnhütter hat die Gabe, den richtigen Winkel, den perfekten Hintergrund und die optimale Einstellung zu finden, auch wenn alles spontan und ungeplant passiert. Meine Herzensempfehlung!

Traurednerin Ingrid und Fotograf Jan Hillnhütter

Hochzeitssänger Julian Fiege

Julian hat eine starke, klare und berührende Stimme. Er kam mit seiner S1-Bose Box und bewegte mit seinem Gesang die gesamte Wiese. Zum Sektempfang spielte er weiter und ich ergatterte noch ein Selfie. Auf meine Frage, ob ich ein Video von ihm drehen und Werbung von ihm machen soll, sagte er trocken: „Kannste gerne machen, brauche ich aber nicht mehr.“ Baff wie ich war, filmte ich trotzdem, entschied mich aber in der Hälfte des Videos, dass ich das auch nicht nötig habe.

Ich möchte Julian trotzdem empfehlen😊 Er singt mittlerweile in ZDF-Shows, trägt noch öfters Sonnenbrille und ist weiterhin liebenswert. Ein charismatischer Mensch mit Talent und Willen, nach oben zu kommen. Meine Empfehlung für alle, die Celebrity-Moments auf ihrer Hochzeit genießen wollen.

Einen kleinen Ausschnitt vom Sektempfang und Julians Gesangskünste findet ihr hier:

Hochzeitskleid

Das Kleid hatte Jenny im Brautatelier Marie Mariage gefunden und sich verliebt. Die Inhaberin Nadine machte sich mit ihrer Herzensleidenschaft selbstständig: Frauen ihre Traumhochzeit mit dem perfekten Kleid wahr werden zu lassen. Für Jenny ist ihr Traum wahr geworden und für viele andere Frauen auch.

Ich habe mein Herz in der Pfalz verloren: Hochzeitslocation Gaststätte zur Aumühle in Hassloch

Hochzeitspaar Gasthof zur Aumühle
Foto: Jan Hillnhütter

Der Gaststätte zur Aumühle ist die Familiengaststätte von Jens und Jenny. Er liegt kurz vor dem Holidaypark in Hassloch in der Pfalz. Jedesmal, wenn ich in die Pfalz fahre und eine freie Trauung durchführe, freue ich mich über die Liebenswürdigkeit der Menschen. Wenn es einen Preis für die ehrlichsten und freundlichsten Menschen in Deutschland geben würde, ich würde ihn an die Pfälzerinnen und Pfälzer verleihen. Einzig schwierig ist, ihr Unverständnis, dass ich keinen Sekt mittrinken möchte nach der Trauung. Ich kann damit wirklich kein Auto mehr fahren. Ansonsten habe ich mich in den Schlag Mensch verliebt.

Fotos: Jan Hillnhütter

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Rednerin Ingrid Rupp
Foto: Dana Rösiger

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